Ischialgie oder Lumbago? Test & Diagnose München
Auf einen Blick: Patienten mit akuten Rückenschmerzen benötigen eine präzise klinische Differenzierung zwischen einer lokalen Blockierung und einer echten Nervenwurzelkompression. Durch spezifische Provokationstests und eine neurologische Untersuchung lässt sich das Ausmaß der Nervenreizung bestimmen und der weitere Therapiebedarf festlegen. Im ORTHOSPINUM in München nutzen Dr. Oetke und sein Team diese Diagnostik, um individuell abgestufte Behandlungspläne von der konservativen Basisversorgung bis hin zur interventionellen Schmerztherapie zu erstellen.
Zieht der Schmerz bis in den Fuß – oder sticht es nur lokal im unteren Rücken? Diese Frage steht oft am Anfang, wenn Patientinnen und Patienten unsere Praxis im Herzen von München aufsuchen. Während ein einfacher Hexenschuss meist harmlos ist, kann ein ausstrahlender Schmerz auf eine Reizung der Nervenwurzeln hindeuten. Für Sie ist dabei wichtig zu wissen: Nicht jeder Rückenschmerz erfordert sofort ein MRT – aber jeder Schmerz, der mit neurologischen Ausfällen einhergeht, braucht eine sorgfältige klinische Untersuchung.
Ischialgie vs. Lumbago: Warum die Unterscheidung so wichtig ist
Im Alltag werden die Begriffe Lumbago und Ischialgie häufig gleichbedeutend verwendet, obwohl sie medizinisch zwei verschiedene Zustände beschreiben. Eine Lumbago – also ein lokaler Kreuzschmerz – bleibt auf den Bereich der Lendenwirbelsäule begrenzt. Dahinter stecken meist muskuläre Verspannungen oder Probleme an den Facettengelenken, den kleinen Wirbelgelenken, die die einzelnen Wirbelkörper miteinander verbinden.
Bei einer Ischialgie hingegen strahlt der Schmerz über das Gesäß entlang des Ischiasnervs bis ins Bein aus. Häufig liegt dann eine Radikulopathie vor – eine Erkrankung der Nervenwurzel, die beispielsweise durch einen Bandscheibenvorfall oder eine knöcherne Einengung des Nervenkanals ausgelöst wird.
Typische Symptome und Warnsignale
Während ein dumpfer Schmerz im Rücken zwar unangenehm, aber meist gut behandelbar ist, gibt es bestimmte Warnsignale, die wir im ORTHOSPINUM sehr ernst nehmen. Zu diesen sogenannten „Red Flags“ gehören:
- Eine Fußheberschwäche, bei der Sie nicht mehr auf den Fersen gehen können.
- Eine Fußsenkerschwäche, bei der Ihnen der Zehenstand nicht mehr gelingt.
- Taubheitsgefühle im Genitalbereich oder an der Innenseite der Oberschenkel.
- Blasen- oder Mastdarmstörungen, also Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang.
Diese Symptome können auf ein Cauda-equina-Syndrom hindeuten – einen medizinischen Notfall, der sofort abgeklärt werden muss.
Klinische Provokationstests bei Verdacht auf Nervenwurzelreizung
Um festzustellen, ob ein Nerv unter Druck steht, setzen wir gezielte manuelle Tests ein, die den Nerv unter kontrollierte Zugspannung bringen. Ist der Nerv gereizt, reagiert er auf diese Dehnung mit dem typischen einschießenden Schmerz.
Lasègue, Bragard und der gekreuzte Lasègue
Der bekannteste dieser Tests ist das Lasègue-Zeichen. Dabei liegen Sie flach auf dem Rücken, während Dr. Oetke Ihr gestrecktes Bein langsam anhebt. Der Test gilt als positiv, wenn zwischen einem Winkel von 30 und 70 Grad ein stechender Schmerz ins Bein einschießt.
Um das Ergebnis abzusichern, schließen wir häufig den Bragard-Test an: Wird beim angehobenen Bein zusätzlich der Fuß in Richtung Schienbein gebeugt, verstärkt sich der Zug auf den Ischiasnerv – und damit auch der Schmerz, falls eine Reizung vorliegt. Tritt der Schmerz im betroffenen Bein sogar dann auf, wenn wir das gesunde Bein anheben, sprechen wir vom „gekreuzten Lasègue“. Dieses Zeichen gilt als starker Hinweis auf einen größeren Bandscheibenvorfall.
Slump-Test und Nervus-femoralis-Strecktest
Der Slump-Test wird im Sitzen durchgeführt. Durch eine Kombination aus Vorbeugen des Oberkörpers, Senken des Kopfes und Strecken des Beins wird das gesamte Nervensystem im Wirbelkanal unter Spannung gesetzt – ein sehr empfindlicher Test, der auch subtile Reizungen aufdecken kann.
Für Schmerzen, die eher in die Vorderseite des Oberschenkels ausstrahlen, nutzen wir den Nervus-femoralis-Strecktest, auch „umgekehrter Lasègue“ genannt. Dabei liegen Sie auf dem Bauch, und das Bein wird im Knie gebeugt und im Hüftgelenk gestreckt. Löst diese Bewegung einen Schmerz an der Oberschenkelvorderseite aus, deutet das auf eine Reizung der oberen Nervenwurzeln L3 oder L4 hin.
Neurologischer Status: Die Funktion der betroffenen Nervenwurzel prüfen
Ergänzend zu den Provokationstests untersuchen wir im ORTHOSPINUM Ihre Reflexe, Ihre Sensibilität und Ihre Muskelkraft. Jede Nervenwurzel versorgt ein bestimmtes Hautareal – das sogenannte Dermatom – sowie bestimmte Muskelgruppen. Dadurch lässt sich oft sehr genau bestimmen, welche Nervenwurzel betroffen ist.
- Reflexe: Wir prüfen den Patellarsehnenreflex (PSR), der vor allem die Nervenwurzel L4 repräsentiert, sowie den Achillessehnenreflex (ASR) für die Wurzel S1. Ein abgeschwächter oder fehlender Reflex liefert wertvolle Hinweise auf den Ort der Schädigung.
- Krafttests: Können Sie sicher auf den Fersen stehen? Das spricht für eine intakte Wurzel L5. Gelingt der Zehenstand problemlos? Dann funktioniert S1 in der Regel gut. Auch die Kraft des Großzehenhebers ist ein wichtiger Indikator für die Etage L5.
- Sensibilität: Mit leichten Berührungen testen wir, ob Sie Unterschiede zwischen der linken und rechten Seite wahrnehmen oder ob in bestimmten Zonen Taubheitsgefühle bestehen.
Abgrenzung und Differenzialdiagnosen
Nicht jeder Schmerz, der ins Bein ausstrahlt, ist tatsächlich eine Ischialgie. Ein Facettensyndrom – also eine Reizung der kleinen Wirbelgelenke – kann Schmerzen „pseudoradikulär“ ausstrahlen lassen. Das bedeutet: Der Schmerz ähnelt einem Nervenschmerz, ohne dass eine tatsächliche Nervenschädigung vorliegt. Hier hilft oft der Kemp-Test, bei dem die Wirbelsäule in Überstreckung und Seitneigung gebracht wird, um den typischen Schmerz zu provozieren. Auch Hüfterkrankungen können Rückenschmerzen vortäuschen. Dies schließen wir durch den FABER-Test aus, bei dem das Hüftgelenk in Beugung, Abspreizung und Außenrotation gebracht wird.
Wann ist Bildgebung oder eine Intervention nötig?
Im ORTHOSPINUM folgen wir einem klaren Stufenplan. Wenn die klinischen Tests auf eine Nervenwurzelreizung hindeuten, aber keine Lähmungen vorliegen, beginnen wir in der Regel mit einer konservativen Basistherapie – dazu gehören Medikamente, Akupunktur und Physiotherapie.
Ein MRT (Magnetresonanztomographie) wird dann sinnvoll, wenn die Beschwerden trotz Therapie über mehrere Wochen anhalten, wenn neurologische Ausfälle wie ein Kraftverlust auftreten oder wenn die Schmerzen so stark sind, dass eine interventionelle Schmerztherapie geplant werden soll. Ein Beispiel dafür ist die periradikuläre Therapie (PRT), eine bildgebungsgesteuerte Injektion direkt an die betroffene Nervenwurzel.
Sollten alle konservativen und interventionellen Maßnahmen nicht ausreichend helfen, kann Dr. med. Oliver Oetke als erfahrener Operateur eine mikroskopische oder endoskopische Bandscheibenoperation durchführen. Im ORTHOSPINUM ist ein solcher Eingriff jedoch immer der letzte Schritt unserer Behandlungsleiter.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche klinischen Tests sind am zuverlässigsten, um eine Nervenwurzelreizung nachzuweisen? Die Kombination aus dem Lasègue-Test, der Prüfung der Kennmuskeln (Zehen- und Fersenstand) und der Reflexprüfung gilt als Goldstandard in der klinischen Diagnostik. Erst das Zusammenspiel dieser Befunde ergibt ein verlässliches Bild.
Woran erkenne ich den Unterschied zwischen Ischialgie und Lumbago? Eine Lumbago verursacht Schmerzen, die auf den unteren Rücken begrenzt bleiben. Bei einer Ischialgie zieht der Schmerz dagegen über das Gesäß hinaus – meist bis unter das Knie oder sogar bis in den Fuß.
Was bedeutet ein positiver Lasègue-Test – und ab welchem Winkel wird er relevant? Ein positiver Lasègue bedeutet, dass das Anheben des gestreckten Beins einen einschießenden Schmerz im Bein auslöst. Medizinisch relevant ist dies in der Regel bei einem Winkel zwischen 30 und 70 Grad. Treten die Beschwerden erst oberhalb von 70 Grad auf, ist häufig eine verkürzte Muskulatur die Ursache.
Kann ich Provokationstests wie den Slump-Test selbst durchführen? Davon ist abzuraten. Die korrekte Ausführung und Interpretation dieser Tests erfordern klinische Erfahrung. Eine falsche Durchführung kann zudem zu einer schmerzhaften Überreizung des Nervs führen.
Welche Warnzeichen erfordern eine sofortige ärztliche Abklärung? Suchen Sie umgehend einen Arzt oder eine Notaufnahme auf, wenn Sie Lähmungserscheinungen in den Beinen bemerken oder wenn Sie das Gefühl beim Wasserlassen oder Stuhlgang verlieren. Hinter diesen Symptomen kann ein Cauda-equina-Syndrom stecken, das als Notfall behandelt werden muss.
Ihr Termin im ORTHOSPINUM in München
Leiden Sie unter unklaren Rückenschmerzen oder einem Ziehen im Bein? Wir helfen Ihnen, Klarheit zu gewinnen. Dr. med. Oliver Oetke, Honorary Professor of Tashkent State Medical University, untersucht Sie gründlich und differenziert zwischen muskulären Problemen und echten Nervenreizungen. Gemeinsam finden wir den passenden Weg zurück zu Ihrer Beweglichkeit.
Dr. med. Oliver Oetke, Honorary Professor of Tashkent State Medical University, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Schwerpunkt konservative und operative Wirbelsäulentherapie
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